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Gesellschaft: Bildung

Schavan, Annette: Welche Schule wollen wir? Pisa und die Konsequenzen.Freiburg 2002

Welche Schule wollen wir?Der Zeitpunkt war gut gewählt für Annette SCHAVAN, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Würtemberg. PISA lag gerade hinter uns, und Deutschland schnitt dabei nicht sonderlich gut ab. Die ländervergleichende Studie folgte, die beiden südlichen Bundesländer Bayern und Baden-Würtemberg belegten im nationalen Vergleich Platz 1 und 2. Ach ja, Bundestagswahl war ja auch noch...

Frau SCHAVAN sieht sich also in der Pflicht, den vor Schreck ob der schlechten Bildungssituation in Deutschland geblässten Gesichtern von Eltern, Unternehmern und Politikern ein Licht am Ende des Tunnels zu versprechen. Und das tut sie gewaltig. Nach einführendem Geplänkel über den Wert von Bildung, welches nicht sonderlich innovativ wirkt, da Professoren der Erziehungswissenschaften um die 55 diese Ansichten beinahe täglich seit zehn Jahren herunter beten, fabuliert Annette SCHAVAN über Sinn und Zweck des Religionsunterrichts als Bestandteil des geistigen Generationenvertrags.
Darauf folgt eine Auswertung der PISA-Studie, welche im neutralen "Und es gibt es doch - das Nord-Süd-Gefälle" endet. Die nächsten Zeilen sind Zitate:

"Lesekompetenz
Bayern, Baden-Würtemberg und Sachsen bilden in Deutschland die Spitzengruppe. (31)
Mathematische Grundbildung
Bayern (516 Punkte) und Baden-Würtemberg (512 Punkte) liegen deutlich über dem OECD-Durchschnitt (500 Punkte). (33)
Naturwissenschaftliche Grundbildung
Bayern (508 Punkte) und Baden-Würtemberg (504 Punkte) liegen über dem OECD-Durchschnitt. (34)"

Danach folgen obligatorische Kapitel wie "Kinder und Jugendliche ernst nehmen" usw. Besonders spannende Aspekte werden unter der dynamischen Frage "Was ist zu tun?" behandelt. "Die unionsregierten Länder haben in der Kultusministerkonferenz im Mai 2002 in Eisenach erste Standards vorgelegt, auf die wir uns hoffentlich rasch einigen." (139)

Es ist sinnvoll und gut, die Probleme in der deutschen Bildungslandschaft anzusprechen. Natürlich müssen auch Lehren daraus gezogen werden, dass die unionsregierten Länder besser abschneiden als der Rest, von ihnen kann sicher auch gelernt werden. Aber statt Lösungsvorschläge vorzustellen, welche die Bildungspolitik wirklich weiter bringen, verfällt SCHAVAN in dumpfe Wahlkampfrhetorik und lobt sich selbst wie ein kleines, störrisches Kind über den grünen Klee. Sehr schade, wirkt sich das doch auf den Informationsgehalt des Buches aus, welcher gleich Null ist. Schade auch, dass sich mit Herder ein Verlag für die Veröffentlichung von Wahlkampfbroschüren hergibt.


Verlag: Herder | Preis: 8,90 EUR | Rezensent: Sebastian Barsch
Bewertung :

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Welche Schule wollen wir?

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