sonderpaedagoge.de

Rezensionen

Ratgeber

Bernau, Sabine: Alles über ADS bei Erwachsenen. Freiburg 2003

ADS bei ErwachsenenDas Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) ist in den vergangenen Jahren von immer größerer Bedeutung für pädagogische und therapeutische Überlegungen geworden. Zwar ist diese Störung schon seit mehreren Jahrzehnten bekannt und vor allem benannt, jedoch wurde sie lange Zeit eher nebensächlich behandelt.
Das Gute an der Pädagogik ist jedoch, dass ihre Vertreter oft kein Mittelmaß kennen. So entstehen in regelmäßigen Abständen Trends, die fortan in Form von Schlagwörtern fester Bestandteil des pädagogischen Theoriegebäudes sind. Wie beim ADS. Interessant an diesem Trend ist, dass über ADS bei Kindern und Jugendlichen zwar permanent veröffentlicht wird, das Interesse am Vorhandensein dieser Störung bei Erwachsenen jedoch kaum vorhanden ist. "Alles über ADS bei Erwachsenen" von Sabine Bernau ist der Versuch eines Leitfadens für Betroffene und deren Umfeld.

Die Autorin, langjähriges Vorstandsmitglied im "Bundesverband Arbeitskreis Überaktives Kind e.V." und Mutter dreier von ADS betroffenen Söhne, begeht gleich zu Beginn ihres Buches einen Kardinalsfehler seriöser Berichterstattung: als Referenz zur Behauptung, dass ADS sich nicht auswachse, nennt sie einen anonymisierten Dr. B.
Dr. B sagt: "ADHS haben viele Erwachsene, das bleibt bis zum Rentenalter - auch noch länger." (18)
Besonders hoch ist die Anzahl der an ADS leidenden Erwachsenen in den USA. Dort wie hier sind Therapeuten vermehrt der Ansicht, dass ADS bei zwei Dritteln all derjenigen Fälle, in denen die Diagnose bereits im Jugendalter gestellt wurde, auch im Erwachsenenalter als behandlungsbedürftig gilt. Gut, dass die Therapeuten, die diese Ansicht vertreten, auch gleich die passenden Therapien dazu anbieten, denn: "ADHS ist eine erfolgreich therapierbare Störung." (23)
Im Folgenden erläutert die Autorin den derzeitigen wissenschaftlichen Stand zur ADS-Forschung und kommt zu dem Ergebnis, dass ADS eine genetisch bedingte neurobiologische Störung ist. Leider verzichtet Bernau darauf, zu erwähnen, dass sich die Experten diesbezüglich alles andere als einig sind.
Nach einem Blick auf den ICD 10 folgt ein Fragebogen: "Zu welchem ADHS-Typ gehören Sie?" (78) - natürlich nicht ohne Auswertunglegende.

Nach diversen Tipps zur Lebensbewältigung wie "Aufräumen und ordnen" (88) und der Erstellung eines Wochenplanes folgt auch der Hinweis, dass eine Lebenspartnerschaft mit ADHS gut durchdacht sein muss. Bei Bernau ziehen sich nämlich nicht Gegensätze an, sondern es finden "sehr oft zwei Menschen mit ADHS zueinander." (116)

Das vorletzte Kapitel schildert die medizinische Behandlung bei ADS. Die Darstellung ist fundiert und bezieht sich auf den derzeitigen Stand der Wissenschaft. In diesem Teil überzeugt die Autorin einmal nicht durch Weisheiten, sondern durch Fakten, die in einer klaren und verständlichen Sprache vermittelt werden.
Den Schluss bildet ein Ausblick auf die Möglichkeiten, die sich von ADS Betroffenen bieten. Ein Kapitel, welches Mut macht, denn "Marilyn Monroe, Jackie Chan, Steven Spielberg, Thomas Edison, Wilhelm Busch, John F. Kennedy, Astrid Lindgren, Bertold Brecht, John Lennon, George Orwell, Whoopie Goldberg..." (167), sie alle litten oder leiden an Symptomen von ADS.

Es ist gut, dass die Thematik ADS bei Erwachsenen thematisiert wird. Gut ist auch, dass Ratgeber für Betroffene und nicht für Experten geschrieben werden. Bernau schafft es jedoch nicht, auf sachlicher Ebene wichtige und notwendige Informationen zu übermitteln, sondern blendet einen großen Teil der Wirklichkeit aus, um so ein subjektiv gefärbtes Bild von ADS zu entwerfen. Schade.


Verlag: Herder | Preis: 9,90 EUR | Rezensent: Sebastian Barsch
Bewertung :

Bei Amazon bestellen:
ADS bei Erwachsenen

.

 

Übersicht Rezensionen