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Rezensionen

Sterbehilfe

Ankermann, Ernst: Sterben zulassen. Selbstbestimmung und ärztliche Hilfe am Ende des Lebens. München 2004

Sterben zulassenDas Thema Sterbehilfe ist ein "Dauerbrenner", dessen Diskussion von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird und zu der es eine kaum überschaubare Fülle an Veröffentlichungen gibt. Auch in der Heil- und Sonderpädagogik wird dieses Thema regelmäßig aufgegriffen. Da der Europarat erst vor kurzem (am 27. 04. 2004) ausführlich über eine mögliche Entkriminalisierung der aktiven Sterbehilfe / Euthanasie debattiert hat (ohne allerdings zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen), be-kommt das vorliegende Buch noch einen zusätzlichen Aktualitäts-Schub.

Ernst Ankermann ist Jurist und war u.a. von 1974 bis 1990 Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Einen Schwerpunkte seiner Arbeit stellen Arzthaftungssachen dar.

Ankermann nähert sich dem Thema vornehmlich von der juristischen Position aus, jedoch stellt er schon im Vorwort heraus, auch in medizinischen Fragen genügend Kenntnisse zu haben, um diesen zentralen Aspekt der Thematik angemessen würdigen zu können. Gleichzeitig macht er den Leser mit Blick auf den engen Rahmen des Buches (knapp 190 Seiten) darauf aufmerksam, dass seine Ausführungen vielfach nicht so differenziert ausfallen können, wie es das Thema eigentlich erfordert.

Ankermann geht es zentral um die Frage der Patientenautonomie am Ende des Lebens. Er bemüht sich um Klärung der Frage, wie mit dem Todes-wunsch eines ohnehin schwer kranken Menschen umgegangen werden kann. Dabei drehen sich seine Ausführungen um die in jüngerer Zeit im-mer wieder diskutierten sog. „Patientenverfügungen“. Gängige Modelle werden von ihm vorgestellt und einer kritischen Analyse unterzogen. Die-ser Bereich bildet den zweiten und dritten Teil seines Buches, die er mit „Das Selbstbestimmungsrecht am Ende des Lebens“ und „Die Patientenverfügung“ überschreibt. Diese Kernbereiche werden von seiner zusammenfassenden Darstellung über „Ärztliche Behandlung am Ende des Lebens“ sowie die recht ausführlichen Überlegungen zu den „Aspekte[n] der aktiven Sterbehilfe“ sinnvoll eingerahmt. Der Aufbau des Buches ist somit gut gelungen.

Was zudem schnell positiv auffällt ist, dass Ankermann an einer allgemeinen Verständlichkeit seiner Ausführungen gelegen ist. Gerade das ist bei diesem Thema, bei dessen Erörterung ausgewiesene Experten aus den Bereichen Moralphilosophie, Rechtswissenschaften, Medizin etc. immer wieder zu intellektuellen Höhenflügen ansetzen, denen der durchschnittlich gebildete Leser oft nicht recht zu folgen vermag.


Das vorliegende Buch erhebt wie erwähnt keinen Anspruch auf Ausführlichkeit. Das merkt beim Lesen auch schnell, wer sich bereits eingehender mit der Thematik auseinander gesetzt hat. Das Buch hat Lücken, gelegentlich bleiben die Ausführungen arg oberflächlich und zudem ziemlich einseitig.

Auf der anderen Seite muss betont werden, dass es dem Autor eben nicht um eine weitere hochtheoretische Abhandlung des Themas geht. Ihm sind die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten der theoretischen Debatte wichtig.

Dass es dem Leser bei und nach der Lektüre nicht erspart bleibt, die eigenen grauen Zellen zu bemühen, liegt angesichts des komplizierten Themas auf der Hand. Das Buch bietet hierfür eine gute erste Grundlage. Mehr sollte man nicht erwarten sondern besser noch weitere Bücher zum Thema zur Kenntnis nehmen.


Verlag: Reinhardt | Preis: 14,90 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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