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Rezensionen

Schwerstbehindertenpädagogik

Theilen, Ulrike: Mach Musik! Rhythmische und musikalische Angebote für Menschen mit schweren Behinderungen. München 2004

Mach Musik!Dieses Buch wird vielen Sonderpädagogen irgendwie bekannt vorkommen, schließlich legte Ulrike Theilen schon 1995 mit „Mach doch mit!“ bereits ein sehr praxisorientiertes Buch zur Unterrichtsarbeit mit schwerstbehinderten Schülerinnen und Schülern vor. Wer dieses Buch kennt und damit zufrieden ist, kann eigentlich auch bedenkenlos auf das vorliegende neue Werk der Autorin zurückgreifen.
Nach einer Einführung über kommunikative Möglichkeiten, die sich durch musikalische Lernangebote ergeben, findet der Leser zahlreiche Beispiele für die Praxis, welche entsprechend der verschiedenen Kapitelüberschriften „Sich-Bewegen“, „Hören“, „Tönen“ und „Grunderfahrungen“ geordnet sind. Im letzten Kapitel werden verschiedene Lieder aufgeführt (Text und Noten), beschrieben und Hinweise für die Anwendung im Unterricht gegeben. Wer dann trotz der recht einfachen Sprache des Buches über den einen oder anderen Fachbegriff stolpert, kann diesen im Glossar nachschlagen.
Der Aufbau der einzelnen Kapitel erscheint sehr zweckdienlich. Nach einer kurzen Einführung werden verschiedene Lernangebote in detaillierter Form und gut nachvollziehbar beschrieben. In einer sehr breiten Marginalspalte werden diese Ausführungen durch Hinweise für mögliche Aktivitäten der Schüler ergänzt. Der Planung von Unterricht ist dieser Aufbau sehr dienlich, denn man findet sich schnell zurecht.
Etwas irritierend ist der extrem „durchpädagogisierte“ Stil, in dem das Buch geschrieben ist. Die Autorin fühlt sich offenkundig einer leibphänomenologischen Grundierung der Pädagogik verpflichtet, wie man sie auch bei z.B. K. Meyer-Drawe, B. Fornefeld, W. Dreher, W. Pfeffer u.a. findet, die sie denn auch fleißig zitiert, so z.B. Dreher auf Seite 155: „Pädagogik ist aber nicht erst da zur Stelle, wo Lernen im Sinne der Änderung beob-achtbaren Verhaltens möglich ist, sondern es ist ebenso ihr Aufgabengebiet, den Aspekt des Erlebens des Menschen in ihren Fragenhorizont zu rücken.“ Dass viele Vertreter dieser pädagogischen Richtung vor lauter voraussetzungslosem Erleben im „Zur-Welt-Sein“ bisweilen die Wissenschaftlichkeit ihres Aufgabengebietes aus ihrem eigenen Fragenhorizont heraus rücken scheint Teil des pädagogischen Konzepts zu sein ...
Unter’m Strich ist das Buch dennoch eine recht empfehlenswerte Angelegenheit. Man findet viele Anregungen für die Unterrichtspraxis, die in der Regel so genau beschrieben werden, dass eine Übertragung in den meisten Fällen ohne größere Probleme gelingen sollte.
Trotzdem sollte der Leser sich eine gewisse kritische Distanz beim Lesen bewahren und nicht einfach ohne nachzufragen übernehmen, was da geschrieben steht, nur weil es geschrieben steht.


Verlag: Reinhardt-Verlag München | Preis: 24,90 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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Mach Musik!

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