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Rezensionen

Unterrichtspraxis: Deutsch

Braukmann, Werner: Freies Schreiben. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin 2003

Freies SchreibenSchüler zum Schreiben von Texten zu motivieren gehört sicherlich zu den schwierigeren Aufgaben im Lehreralltag, insbesondere dann, wenn das bei Schülern so beliebte Wort „Aufsatz“ fällt. Man übt eine formale Textform mit den Schülern ein und lässt sie dann über ein Thema schreiben, welches sie im Normalfall nicht interessiert. Die Arbeitsergebnisse sind oft für beide Seiten unbefriedigend und die Schüler machen die Erfahrung, dass Schreiben doof ist. Die Deutschdidaktik hat dieses Problem erkannt und im Schreibunterricht setzen sich zunehmend neue Ansätze durch. Dennoch darf angezweifelt werden, dass die traditionelle Aufsatzerziehung heutzutage im Schulalltag nicht mehr dominiert. Vielleicht suchen viele Deutschlehrer noch nach innovativen und praxistauglichen Anregungen für ihren Unterricht.

Eine solche Anregung bietet Werner Braukmann – Lehrer für Deutsch, Politik/Sozialwissenschaften und Geschichte an einem Gymnasium – in dem vorliegenden Buch. Dieses ist in zwei große Teile untergliedert. „Teil A Über das freie Schreiben“ widmet sich den wichtigsten theoretischen Grundlagen des freien Schreibens. Wer jetzt eine eher langweilige Abhandlung befürchtet, liegt mit dieser Einschätzung daneben. Vielmehr demonstriert der Autor schon im einleitenden Kapitel, was für ein lesenswerter Text entstehen kann, wenn man frei zu einem Thema schreibt, sich also nicht zwanghaft an eine vorgegebene Textstruktur hält, keine ellenlange Stichwortliste und Gliederung erstellt, den Entwurf anschließend etliche Male überarbeitet, bis er den angestrebten formalen Kriterien endlich entspricht. Das mag für den Leser etwas gewöhnungsbedürftig sein, liest sich aber dennoch sehr gut und unterhaltsam. Man kann natürlich trotzdem darüber spekulieren, dass gerade dieser Abschnitt unzählige Male überarbeitet wurde, bis er dem Verfasser spontan genug zu wirken schien ...
Skeptische Leser, die den klassischen Aufsatzunterricht schon allein aufgrund der klareren Bewertungskriterien bevorzugen, dürfte insbesondere das diesen Teil des Buches abschließende Kapitel über die Bewertung des freien Schreibens interessieren. Hier bietet Braukmann eine ganze Reihe möglicher Bewertungskriterien und demonstriert so, dass auch beim freien Schreiben eine für die Schüler transparente und faire Beurteilung möglich ist.

Im deutlich umfangreicheren zweiten Teil des Buches findet der Leser zahlreiche konkrete Vorschläge für die Unterrichtspraxis. Die Beschreibung fällt dabei jeweils sehr knapp aus. Wer also komplett ausgearbeitete Unterrichtsreihen mit allen Arbeitsblättern erwartet, sollte besser im Netz suchen. Alle anderen finden mit Sicherheit viele wertvolle und originelle Anregungen für die eigene Arbeit. Die Lektüre des zweiten Teils macht an vielen Stellen richtig Laune und kann für einen ordentlichen Motivationsschub für die Schreibtischarbeit sorgen.
Somit bleibt abschließend nur zu sagen: Es lohnt sich!


Verlag: Cornelsen | Preis: 14,95 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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