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Rezensionen

Musiktherapie

Tüpker, Rosemarie / Hippel, Natalie/ Laabs, Friedemann (Hrsg.): Musiktherapie in der Schule. Wiesbaden 2005

Musiktherapie in der SchuleDie Idee, Musiktherapie als festen Bestandteil des Förderangebots einer Schule zu installieren, dürfte vielen Sonderschullehrern vertraut sein. Das vorliegende Buch geht allerdings von dem Gedanken aus, dass Musiktherapie an jeder Schulform eingesetzt werden kann und eingesetzt werden sollte, um Schüler bei der Bearbeitung und Bewältigung von Krisen unterstützen zu können. Die Herausgeber und Autoren gehen davon aus, dass Musiktherapie als fester Bestandteil an Schulen dazu beitragen kann, Schülern bei der Lösung bestehender und teils tiefgreifender Probleme zu helfen, welche mit den sonstigen pädagogischen Möglichkeiten einer Schule nicht oder nicht ausreichend bearbeitet werden können.
Das Buch entstand aus der Arbeit der Studiengemeinschaft im Zusatzstudiengang Musiktherapie der Universität Münster. Die Teilnehmer der Studiengemeinschaft verbindet das genannte Interesse, Musiktherapie als Bestandteil des Angebots von Schulen über die Sonderschulen hinaus auch an Regelschulen einzuführen und zu etablieren, auch – wie es im ersten Beitrag heißt – mit Blick auf die eigene berufliche Zukunft.
Die in diesem Buch verhandelten Probleme der Schüler finden ihren Ausdruck oftmals in Verhaltensauffäligkeiten, welche für viele Lehrer eine im Schulalltag zu große Herausforderung darstellen, der sie nicht mehr gerecht werden können. Da Verhaltensauffäligkeiten an den meisten Schulen ein wachsendes Problem darstellen, scheint die Mehrheit der Pädagogen zusätzliche therapeutische Angebote an Schulen zu begrüßen, wie Natalie Hippel in ihrem Beitrag feststellt. Sie sieht hier Handlungsmöglichkeiten der Musiktherapie: „Musiktherapie in der Schule kann Kindern und Jugendlichen eine Hilfe bieten, die dem Erleben, Verhalten, Kontakt zu Mitschülern und Lehrern, in den schulischen Leistungen oder im körperlichen Bereich Auffälligkeiten bzw. Störungen zeigen“ (23). Sie diskutiert darüber hinaus auch Grenzen und Risiken musiktherapeutischer Arbeit an Schulen und nennt Arbeitsprinzipien, die als Grundlage für einen Erfolg dieser Arbeit an Schulen zu beachten sind.
Abgesehen von diesen - vielleicht etwas zu kurzen - theoretischen Vorüberlegungen ist das Buch im Wesenlichen sehr praxisorientiert. Den Leser erwarten konkrete Berichte der jeweiligen Autoren über ihre musiktherapeutische Arbeit an verschiedenen Schulformen. Im Sonderschulbereich sind das die Schule für Geistigbehinderte im Beitrag von Beate Klein, die Schule für Blinde (Frank Aepkers, Andreas Stark) und die Schule für Hörgeschädigte (Hannelore Guth). Im Regelschulbereich werden Beispiele aus der Realschule (Petra Sproten), der Grundschule (Erika Menebröcker) und der Gesamtschule (Reinhild Boß) beschrieben und reflektiert. Daneben wird die musiktherapeutische Arbeit mit Flüchtlingskindern (Isabell Paduch) und im Gemeinsamen Unterricht (Friedemann Laabs) thematisiert. Dabei werden in einigen Beiträgen eher die organisatorischen Rahmenbedingungen zum Thema gemacht (etwa in dem Beitrag von Reinhild Boß), in anderen Beiträgen stehen dagegen konkrete Fallbeispiele im Vordergrund (z.B. bei Hannelore Guth).
Allen Beiträgen gemein ist eine klare und gut verständliche Sprache, die auf unnötiges Fachvokabular verzichtet und so eine gute Lesbareit auch für den musiktherapeutischen Laien gewährleistet.
Fazit: Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, den Praxisberichten ein breiteres Theoriefundament voranzustellen, um z.B. Fragen wie „Was genau ist Musiktherapie?“, „Welche Ziele verfolgt sie und wie wird das Erreichen dieser Ziele angestrebt?“ vorab deutlicher zu klären.
Dass diese Fragen in dem vorgebenen Rahmen nicht erschöpfend beantwortet werden können, ist klar. Eine kurzer Abriss dazu wäre jedoch wünschenswert gewesen, denn so muss der Leser sich aus den einzelnen Beiträgen einiges zusammenreimen, um seine Fragen zu beantworten.
Resümierend bleibt dennoch festzustellen, dass an Musiktherapie interessierte Leser, die im schulischen Bereich tätig sind, durch die Lektüre des Buches sowohl viele Anregungen für die Praxis gewinnen können als auch Argumentationshilfen, falls sie für ein musiktherapeutisches Angebot an der eigenen Schule eintreten.


Verlag: Reichert Verlag | Preis: 19,90 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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