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Didaktik

Hillenbrand, Clemens: Didaktik bei Unterrichts- und Verhaltensstörungen. 2., aktualisierte Auflage, München 2003

Didaktik bei Unterrichts- und VerhaltensstörungenUnterrichts- und Verhaltensstörungen stellen Lehrerinnen und Lehrer vor große Herausforderungen und können enorme Belastungen mit sich bringen. Das Gefühl der Überforderung kann sich schnell einstellen, wenn es nicht gelingt, pädagogisch sinnvoll auf das Problem einzugehen. Die Frage, was denn nun ein pädagogisch sinnvoller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Schülern mit Verhaltensstörungen eigentlich sei, ist dabei ein viel diskutierter Gegenstand in der (sonder-)pädagogischen Fachliteratur. Dennoch gibt es nur wenige Lehrbücher, die sich gezielt mit der Frage nach einer Didaktik bei Unterrichts-und Verhaltensstörungen befassen. Das vorliegende Buch versucht, diese Lücke zu schließen.

Clemens Hillenbrand, Professor für Erziehungsschwierigenpädagogik an der Uni Köln, beleuchtet sein Thema in 10 Kapiteln:
1)Einleitung
2)Didaktische Theorien und Unterrichtsstörungen
3)Ergebnisse allgemeiner Didaktik
4)Der pädagogisch-didaktische Auftrag des Unterrichts mit schwierigen Schülern
5)Historischer Exkurs: Der Unterricht in den ersten Erziehungsklassen
6)Konzeptionen schulischer Förderung bei Verhaltensstörungen
7)Prozess und Gestaltung heilpädagogischer Förderung
8)Reformansätze bei Unterrichts- und Verhaltensstörungen
9)Beratung bei Unterrichts- und Verhaltensstörungen
10)Die Perspektive der Betroffenen

Jedes Kapitel schließt mit einigen Lernfragen ab, die sich zum einen natürlich an die Hauptzielgruppe des Buches - Studierende der Fachrichtung Erziehungsschwierigenpädagogik - wenden, zum anderen aber auch allen anderen Lesern bei der Auseinandersetzung mit den Inhalten des Buches zumindest behilflich sein können.

Dabei sind die einzelnen Kapitel und Unterkapitel sicher nicht für jeden Leser von unbedingtem Interesse – gestandene Lehrer werden sich wohl eher ungern zum x-ten Mal die Ausführungen zu den Hauptströmungen der allgemeinen Didaktik (Kaptitel 2) zu Gemüte führen wollen, Studierende hingegen müssen da durch – dennoch diskutiert Hillenbrand eine so große Bandbreite an wichtigen Fragen in komprimierter und stets gut lesbarer Form, dass sich für beide Zielgruppen viele lesenswerte Abschnitte finden.

Dabei darf man natürlich nicht erwarten, dass die Lektüre des Buches passgenaue Lösungsvorschläge für individuelle Probleme in der eigenen Praxis bereithält, mit einigen hilfreichen Anregungen dürften jedoch die meisten Lehrerinnen und Lehrer rechnen. Und schließlich können auch Aussagen, denen man überhaupt nicht zustimmen kann, immer noch als Anregung dienen.

Etwas ärgerlich ist m. E. jedoch, dass Ansätze der Konfrontativen Pädagogik im vorliegenden Buch keine Erwähnung finden, denn viele Schulen für Erziehungshilfe aber auch andere Schulen, die sich mit massiven Verhaltensauffälligkeiten ihrer Schüler konfrontiert sehen, greifen auf solche Maßnahmen zurück. Für eine weitere überarbeitete Auflage wäre eine Diskussion konfrontativ-pädagogischer Methoden wünschenswert.

Insgesamt ist natürlich dennoch ein positives Fazit zu ziehen. Studierende, Lehramtsanwärter und Lehrer werden das Buch sicher mit Gewinn lesen.


Verlag: Ernst Reinhardt Verlag | Preis: 19,90 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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Didaktik bei Unterrichts- und Verhaltensstörungen

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