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Rezensionen

Gewaltprävention

Gasteiger-Klicpera, Barbara / Klein, Gudrun: Das Friedensstifter-Training. Grundschulprogramm zur Gewaltprävention. München 2006

Das Friedensstifter-TrainingGewaltprävention ist ein Thema, welchem an nahezu allen Schulformen eine zentrale Stellung zugesprochen werden muss. Schon in der Grundschule zeigt sich heute oft, dass die Schüler in der Fähigkeit, Konflikte mit friedlichen Mitteln zu klären, gezielt angeleitet werden müssen. So kann möglichen aggressiven Verhaltensformen präventiv entgegen gewirkt werden. Geschieht das nicht, besteht die Gefahr, dass sich diese Verhaltensformen verfestigen. Entsprechend stehen Lehrkräfte an Grundschulen in der Verantwortung. Und sie dürften dankbar für Unterrichtsmaterialien sein, die für ein gezieltes Konflikt-Verhaltens-Training entwickelt wurden.

Das Friedensstifter-Training bietet neben diesen Materialien auch gleich noch die didaktischen Hinweise für die konkrete Umsetzung im Unterricht. Zudem konnte in mehreren Studien nachgewiesen werden, dass die Durchführung des Trainings durchaus die gewünschten Effekte nach sich zieht. Ablauf und Ergebnisse dieser Studien werden im letzten Teil des Buches beschrieben. Daneben findet der Leser grundlegende Informationen über mögliche Ursachen aggressiven Verhaltens.

Im Mittelpunkt des Buches steht allerdings die Unterrichtspraxis. Ziel des Friedensstifter-Trainings ist die Vermittlung des gewaltfreien und konstruktiven Umgangs mit Konflikten. Die Schüler sollen sich diese Fähigkeit im Verlauf des Trainings aneignen und in ihr persönliches Verhaltensrepertoire übernehmen.

Gegliedert in vier große Themenabschnitte wird die Durchführung des Trainings detailliert erläutert. Um den Lehrerinnen und Lehrern die praktische Arbeit möglichst leicht zu machen, wird der Ablauf jeder einzelnen Stunde anhand der vorrangigen Ziele, des Ablaufs und der einzusetzenden Materialien erläutert. Die Materialien stehen als PDF-Dokumente auf der beiliegenden CD-Rom zur Verfügung. Wichtige methodisch-didaktische Überlegungen werden auch gleich mitgeliefert. Das Training ist dabei wie folgt aufgebaut:

In Teil 1 lernen die Kinder, was ein Konflikt bzw. ein Streit überhaupt ist und wie sich in einer solchen Situation verhalten. Verschiedene Tier-Figuren sollen dabei die Kinder darin unterstützen, ihr eigenes Verhalten zu beschreiben.

Im zweiten Teil werden die Kinder an die Kunst des Verhandelns herangeführt. Im Mittelpunkt steht dabei die Tatsache, dass ein Konflikt einen Graben zwischen den Kontrahenten schafft und die Frage, wie die Schüler diesen Graben überbrücken können.

Darauf aufbauend steht im dritten Teil der persönliche Umgang der Schüler mit Gefühlen im Vordergrund. Dabei fokussiert das Training natürlich die Gefühle, die in einem Streit dominieren (Wut, Ärger).

Im abschließenden vierten Teil sollen die Kinder auf Basis der bis dahin erarbeiteten Inhalte erlernen, anderen Kindern beim Lösen eines Konflikts zu helfen: „In diesem Teil (...) geht es um die eigentliche Mediation, in Abgrenzung zum zweiten Teil, bei dem es nur ums Verhandeln zwischen zwei Personen geht. Mediation ist ein Verfahren zur Lösung von Konflikten, bei dem ein unbeteiligter Dritter zwei anderen Parteien hilft, eine Lösung für ein aktuelles Problem oder einen Streit zu finden“ (111). In diesem letzten und anspruchsvollsten Schritt sollen die Kinder also zu Friedensstiftern werden.

Dieser Aufbau ist einleuchtend, die einzelnen Trainingseinheiten sind gut strukturiert und in ihrem Ablauf sehr genau beschrieben, so dass es interessierten Lehrkräften nicht zu schwer fallen dürfte, dass Training in der eigenen Klasse durchzuführen. Das Training ist zudem recht abwechslungsreich aufgebaut, so dass die Motivation der teilnehmenden Kinder über die insgesamt 12 Trainingseinheiten gewahrt werden dürfte. Auch die mitgelieferten Materialien sind ansprechend und sinnvoll gestaltet. Diese fallen trotz vieler Bilder und Symbole mit textentlastender Funktion insgesamt noch sehr textlastig aus. Sicher gilt es dies zu berücksichtigen, bevor man sich für die Durchführung des Friedensstifter-Training entscheidet.

Die beiden eher knapp gehaltenen Kapitel über Ursachen aggressiven Verhaltens und die Evaluation des Trainings werden sicher nicht jeden Leser zufrieden stellen, eben weil sie sehr knapp gehalten sind. Dennoch bietet sie dem Leser eine gute Orientierung. Eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit den Ursachen aggressiven Verhaltens ist sicher zu empfehlen, dies gilt auch für eine weitergehende wissenschaftliche Begleitung und Weiterentwicklung des Trainings.

Fazit: Das Friedensstifter-Training kann Lehrkräften an Grundschulen sicher bedenkenlos empfohlen werden. Möglicherweise eignet sich sein Einsatz aber auch im Primarbereich an Förderschulen mit dem Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung bzw. Lernen, ggf. in modifizierter Form.


Verlag: Reinhardt | Preis: 24,90 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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Das Friedensstifter-Training

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