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Rezensionen

Konfrontative Pädagogik in der Schule

Gall, Reiner / Kilb, Rainer / Weidner, Jens (Hrsg.): Konfrontative Pädagogik in der Schule. Antiaggressivitäts- und Coolnesstraining. Weinheim und München 2006

Konfrontative Pädagogik in der SchuleIn der Diskussion der Frage, wie die Pädagogik auf Gewaltbereitschaft und Aggressivität von Jugendlichen angemessen und erfolgversprechend reagieren sollte, wird zunehmend die so genannte Konfrontative Pädagogik ins Spiel gebracht, die zunächst hauptsächlich in der Arbeit mit straffälligen Jugendlichen entwickelt wurde. Die Vertreter dieses pädagogischen Ansatzes sehen ein gewichtiges Problem darin, dass in der Arbeit mit gewalttätigen Jugendlichen deren oft hochproblematische Biographie zu sehr in den Vordergrund gerückt und in der Folge nicht mehr nur als Erklärung gewalttätigen Verhaltens sondern darüber hinaus sogar als regelrechte Entschuldigung verwendet wird. Eine klare Grenzziehung findet dann seitens der Pädagogen oft nicht mehr statt, auch – so ein zweiter Vorwurf der Vertreter der Konfrontativen Pädagogik – um die bis dahin aufgebaute positive Beziehung zum Jugendlichen nicht zu gefährden. Die Konfrontative Pädagogik setzt auch auf den Aufbau einer tragfähigen Beziehung zum Jugendlichen und nutzt diese nun als Grundlage für die eigentliche Konfrontation des Jugendlichen mit den Defiziten seines Verhaltens. Im vorliegenden Buch werden nun erstmalig Beiträge zusammen gestellt, in denen die Möglichkeiten konfrontativ pädagogischen Arbeitens speziell im schulischen Feld vorgestellt und diskutiert werden. Dies findet in zwei Teilen statt. Der erste Teil des Buches dient der theoretischen Grundlegung. Mit Rainer KILB und Jens WEIDNER umreißen zwei der Herausgeber des Werkes die theoretischen Eckdaten der Konfrontativen Pädagogik im Allgemeinen und der in diesem Buch fokussierten Methoden Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) und Coolness-Training (CT) im Besonderen. Leser, die sich bereits etwas in die Materie eingearbeitet haben, werden bei der Lektüre dieses Theorieteils wenig neues erfahren. Zu komplex scheint die theoretische Grundlegung der Konfrontativen Pädagogik nicht zu sein, die vier Beiträge setzen eher unterschiedliche Akzente, teils überschneiden sich die Inhalte der Ausführungen. Daher eignet sich dieser Teil des Buches eher für Einsteiger in die Thematik. So gibt Jens WEIDNER einen allgemeinen Überblick über den aktuellen Stand dieser pädagogischen Richtung, zeichnet ihre Entwicklung aus der konfrontativen / provokativen Therapie heraus nach und skizziert die beiden Methoden des AAT und CT. Im zweiten Teil des Buches steht die schulpraktische Arbeit im Vordergrund.
Anhand verschiedener Praxiskonzepte, die in unterschiedlichen Schulformen – u.a. auch in der Schule für Erziehungshilfe - Anwendung finden, werden Umsetzungsmöglichkeiten der Konfrontativen Pädagogik vorgestellt. Erfreulicherweise zeichnen sich alle Beiträge des zweiten Teils durch eine klare Sprache und eine gut nachvollziehbare Strukturierung aus, so dass jeder Leser sich sofort zurecht finden dürfte. Jeder Beitrag bietet einen guten Überblick über das jeweils vorgestellte Konzept, dessen Entwicklung und Durchführung.

Dabei handelt sich eben immer um einen Überblick und nicht um eine Gebrauchsanweisung für die eigene Praxis. Die Autoren legen vielmehr deutlichen Wert darauf, dass jeder Pädagoge, der selbst auch konfrontativ-pädagogisch arbeiten möchte, zunächst die entsprechende Fortbildung absolviert, um so die verschiedenen Methoden auch mit der geforderten verantwortungsvollen Professionalität anwenden zu können. Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten werden praktischerweise auf der letzten Seite des Buches genannt. Beide Teile zusammen bilden m. E. eine sinnvolle Einheit, deren Lektüre dem Leser einen fundierten Einblick in Theorie, Praxis und Philosophie der Konfrontativen Pädagogik ermöglicht.

Zwei kleine Schönheitsfehler bleiben: Erstens: Da hier insbesondere entschiedene Befürworter dieses Ansatzes zu Wort kommen, fehlt aus meiner Sicht ein wenig die kritische Diskussion der vorgestellten Methoden und ihrer theoretischen Fundierung. Zweitens: Lehrer an Schulen für Erziehungshilfe könnten sich vor dem Hintergrund ihrer eigenen Arbeit, bei der eine tragfähige Beziehung zum Schüler als Grundlage für eine deutliche Grenzsetzung oft selbstverständlich ist, fragen, worin das eigentlich Neue der Konfrontativen Pädagogik besteht. Sie werden angesichts der anschaulich beschriebenen Methoden vielleicht dennoch wichtige Impulse für die eigene Arbeit gewinnen.


Verlag: Juventa | Preis: 15,00 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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