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Rezensionen

Psychotherapie bei Menschen mit Asperger-Syndrom

Preißmann, Christine: Psychotherapie bei Menschen mit Asperger-Syndrom. Konzepte für eine erfolgreiche Behandlung aus Betroffenen- und Therapeutensicht. Stuttgart 2007

Psychotherapie bei Menschen mit Asperger-SyndromDas Asperger-Syndrom stellt neben dem sogenannten „frühkindlichen Autismus“ eine Form des Autismus und somit eine tiefgreifende Entwicklungsstörung dar. Mit ihr verbunden sind oft erhebliche psychosoziale Folgen, die die Lebensgestaltung Betroffener schwer beeinträchtigen. Eine psychotherapeutische Behandlung kann daher in vielen Fällen angezeigt sein. Die Fachliteratur für diesen speziellen Bereich psychotherapeutischer Handlungsfelder ist noch sehr begrenzt, hier möchte die Autorin eine Lücke schließen und wendet sich somit insbesondere an interessierte Psychotherapeuten. Das Besondere an dem vorliegenden Werk ist, dass mit Christine Preißmann – Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie – eine vom Asperger-Syndrom selbst Betroffene über das Thema schreibt und dabei ihre eigenen Erfahrungen als Patientin in einer Therapie zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen macht. So sollen beide Perspektiven, nämlich die der von Asperger betroffenen Patienten und die der Psychotherapeuten, miteinander verbunden werden. Das Buch ist dabei in seiner Form als ein Ratgeber zu verstehen, bei dem Gestaltung, Inhalte und Methoden einer erfolgreichen Therapie bei Menschen mit Asperger im Mittelpunkt stehen. Nach einem einleitenden Teil über das Asperger-Syndrom, der auf wenigen Seiten zwar recht knapp, aber dafür gut verständlich über das Störungsbild informiert, widmet sich die Autorin im Hauptteil des Buches den Voraussetzungen, Gestaltungsmöglichkeiten und Inhalten einer psychotherapeutischen Behandlung von Menschen mit Asperger. Als wichtige Themen der Therapie fokussiert die Autorin dabei: Freundschaft und Beziehungen, Sexualität, Wohnen, Schulausbildung, Arbeit und Beruf, Freizeitgestaltung, Krisensituationen, Familienangehörige und sonstige Bezugspersonen, Vermittlung weiterführender Hilfen. Den immer wiederkehrenden roten Faden stellen dabei ihre persönlichen Erfahrungen als Patientin dar, die sie regelmäßig in autobiographischen Textpassagen aufgreift, teils ausführlich beschreibt und so zum Ausgangspunkt ihrer weiteren Überlegungen macht.
Somit hat das Buch einen deutlichen biographischen Anstrich, der die Lektüre zwar sehr anschaulich werden lässt, möglicherweise aber auch eine Schwäche des Buches darstellt: Denn während im Titel sehr allgemein von Psychotherapie bei Menschen mit Asperger-Syndrom und Konzepten für eine erfolgreiche Behandlung die
Rede ist, verstärkt sich beim Lesen doch mehr und mehr der Eindruck, dass diese Konzepte zu stark an den persönlichen Voraussetzungen und Erfahrungen der Autorin festgemacht werden. Gerade mit Blick auf eine so vielschichtige Entwicklungsstörung wie das Asperger-Syndrom stellt sich die Frage, ob die persönlichen Erfahrungen der Autorin nicht zu sehr verallgemeinert werden und ob hier nicht von einem sehr subjektiven Standpunkt aus Rückschlüsse auf andere Betroffenen gezogen werden. Möglicherweise besteht hier die Gefahr von den Erfahrungen der Autorin, ihren Bedürfnissen und Erwartungen an eine Therapie zu schnell auf die Bedürfnisse und Erwartungen anderer Betroffener zu schließen.
Letztlich kann und soll das vorliegende Buch nur Anregungen für eine Psychotherapie geben. So wird es auch von der Autorin selbst in ihrem Vorwort festgestellt (10). Die im Titel genannten „Konzepte für eine erfolgreiche Behandlung“ erscheinen mir jedoch etwas zu hoch gegriffen.


Verlag: Kohlhammer | Preis: 26,00 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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