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Einführung Sonderpädagogik

Borchert, Johann (Hg.): Einführung in die Sonderpädagogik. München 2007

Einführung in die SonderpädagogikEs gibt auf dem Buchmarkt zahlreiche Einführungen in die Sonderpädagogik, und das vorweg: die meisten anderen sind billiger, was für Studierende ein nicht unerhebliches Entscheidungsmerkmal für oder gegen ein Buch sein dürfte. Davon abgesehen bietet dieses Lehrwerk auf knapp 330 Seiten einen umfassenden Überblick über die klassischen Felder der Sonderpädagogik: nach der Thematisierung sonderpädagogischer Grundfragen werden die einzelnen Behinderungsdisziplinen von akademischen Vertretern ihres Faches vorgestellt. Anders als in den meisten anderen Einführungen findet sich hier auch ein Kapitel über die Hochbegabung - ein Bereich, der zunehmend von Interesse für die pädagogische Forschung ist.

Im einführenden Kapitel - den sonderpädagogischen Grundfragen - umreißt Borchert die verschiedenen Strömungen dieser pädagogischen Subdisziplin. Diese werden weit gehend neutral einander gegenüber gestellt. Er verweist auf bereits Erreichtes im Rahmen einer sonderpädagogischen Wissenschaft, ebenso auf offensichtliche Mängel in Forschung und Lehre, wenn er feststellt, dass "noch erhebliche sonderpädagogische Forschungsdefizite zu beklagen sind" (6) oder erwähnt, dass die "plausibel erscheinende Erwartung, dass Sonderpädagogen (besser als als Grundschullehrkräfte) über sonderpädagogisches Wissen verfügen, nicht bestätigt werden" kann (6). So etwas liest man selten.
Die folgenden Kapitel, welche die einzelnen sonderpädagogischen Disziplinen thematisieren, bauen auf einem einheitlichen Schema auf: nach einer allgemeinen Einführung folgen Definitionen und Klassifikationen der von den jeweiligen Fachdisziplinen behandelten Population, deren Verbreitung, Ursache und Diagnostik ihrer Behinderungen bzw. Äußerungen sowie pädagogisch-therapeutische Interventionsformen. Abgeschlossen wird jedes Kapitel mit Textfragen zur Verständniskontrolle und Literaturhinweisen. Alle Autoren beziehen neueste Ergebnisse in ihre Darstellungen ein, wobei diese - je nach Fach - nicht unbedingt neue Erkenntnisse beinhalten. Für eine Einführung in den jeweiligen aktuellen Stand einer sonderpädagogischen Disziplin ist dies jedoch vollkommen ausreichend. Neuer ist - wie schon erwähnt - das von Christoph Perleth verfasste Kapitel über die Hochbegabung. Zu Beginn stellt er fest, dass dieses Themenfeld möglichweise bislang so wenig von Sonderpädagogen beachtet wurde, da diese traditionell die "Heilbarkeit" von Behinderungen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellten, Hochbegabung jedoch nicht geheilt werden kann (149). Überzeugend führt er daraufhin die Gründe auf, die für eine Hinwendung der Sonderpädagogik zum diesem Phänomen sprechen: wie Behinderte fallen Hochbegabte in Extrembereiche der Verteilung eines bestimmten Merkmals (hier der Intelligenz), auch unter behinderten Menschen gibt es natürlich Hochbegabte (Menschen mit Körper- oder Sinnesbehinderungen) und manche hochbegabten Kinder benötigen spezielle psychologische und pädagogische Zuwendung (150). Auch wenn das Thema Hochbegabung an den sonderpädagogischen Instituten der Universitäten erst in letzter Zeit beachtung fand und bislang nur ein Randdasein fristet, ist es gut und richtig, dass dieses Kapitel in ein Lehrbuch für Studierende Einzug gehalten hat.

Insgesamt handelt es sich bei der "Einführung in die Sonderpädagogik" um ein solides Lehrbuch, in dem der aktuelle Stand und Tendenzen der verschiedenen sonderpädagogischen Fachrichtungen und der Sonderpädagogik im Allgemeinen angemessen dargestellt werden. Der Preis ist jedoch zu hoch.


Verlag: Oldenbourg | Preis: 36,80 EUR | Rezensent: Sebastian Barsch
Bewertung :

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Einführung in die Sonderpädagogik

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