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Rezensionen

Handlexikon Geistige Behinderung

Theunissen, G. / Kulig, W. / Schirbort, K.: Handlexikon Geistige Behinderung. Schlüsselbegriffe aus der Heil- und Sonderpädagogik, Sozialen Arbeit, Medizin, Psychologie, Soziologie und Sozialpolitik. Stuttgart 2007

Handlexikon Geistige BehinderungFachwörterbücher sind eine sehr nützliche Sache und erfreuen sich dementsprechend bei Fachleuten verschiedenster Berufsgruppen einiger Beliebtheit. Auch in der Heil- und Sonderpädagogik liegen
verschiedene Bücher dieser Art vor, in denen zentrale Begriffe in meist kurz gehaltenen Artikeln erklärt werden. Da die Diskussion fachlicher Begrifflichkeiten nach wie vor eine wichtige Rolle innerhalb unserer Disziplin spielt, stellen derlei Bücher auch eine wichtige Hilfe für Studierende dar, um im allgemeinen Begriffechaos nicht den Überblick zu verlieren. Georg THEUNISSEN (Professor für Geistigbehindertenpädagogik an
der Universität Halle-Wittenberg), Wolfram KULIG und Kerstin SCHIRBORT (beide wissenschaftliche Mitarbeiter an selbiger Universität) haben nun das „Handlexikon Geistige Behinderung“ herausgegeben,
welches unter der Mitarbeit von insgesamt 81 Autoren aus unterschiedlichen Fachbereichen und Disziplinen entstanden ist. Das teilen die Herausgeber dem Leser in ihrem Vorwort mit, wobei
sie zunächst ein Loblied auf die Geistigbehindertenpädagogik anstimmen, welche aus ihrer Sicht eine innovativere Entwicklung in
den letzten Jahren aufweist als jeder andere Bereich der Heil- und Sonderpädagogik (13). Ähnliche Sätze werden gerne als Einleitung
für Grundlagenwerke verwendet. Vermutlich erheben alle Fachrichtungen für sich denselben Anspruch.
Bemerkenswert erscheint die Zusammenstellung der Autoren aus verschiedenen Bereichen, welche die Artikel zu insgesamt 260 Begriffen geschrieben haben. Dies weist auf ein besonderes Merkmal des Buches hin: Dem Leser bietet es neben dem bereits aus vergleichbaren Werken bekannten Aufbau – Erklärung der alphabetisch geordneten Begriffe in meist kurz gehaltenen Fachartikeln unter Angabe weiterführender Literatur - eine möglichst interdisziplinäre Annäherung an das Phänomen geistige Behinderung und die mit ihm verbundenen Arbeitsfelder. Der Horizont des Buches geht somit deutlich über den der Heilpädagogik hinaus, die viel beschworenen Nachbardisziplinen Soziale Arbeit, Medizin, Psychologie, Soziologie mischen kräftig mit. Zusätzlich schreiben hier nicht
nur die etablierten Vertreter der verschiedenen Disziplinen, sondern es kommen auch junge Nachwuchswissenschaftler zu Wort.
So entsteht ein ausgewogenes Gesamtwerk, welches sich durchaus positiv von rein heilpädagogischen Werken abhebt. Der Blick über den Tellerrand macht hier den Unterschied. Die einzelnen Artikel, in welchen die Fachbegriffe erläutert werden, sind dabei durchweg möglichst kurz gehalten und zeichnen sich überwiegend durch eine lesefreundliche sprachliche Klarheit aus.
Eine ausführliche Diskussion kritischer Aspekte findet dabei natürlich nicht statt, dennoch werden diese Aspekte durchaus angesprochen, so dass der Leser auch wichtige Basisinformationen über ungeklärte bzw. strittige Fragen, Brüche und Widersprüche erhält. Die Literaturhinweise am Ende jedes Artikels runden die Sache ab. Über die inhaltliche Qualität einzelner Texte kann man vielleicht streiten. Sicher wird nicht jeder Leser in jedem Text genau die Fragen beantwortet finden, die ihn persönlich gerade beschäftigen, und es wird auch nicht jeder denkbare Begriff aus der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung berücksichtigt, dennoch meine ich, dass das Handlexikon Geistige Behinderung ein gelungenes Grundlagenwerk darstellt, welches für Studierende und in der Praxis Tätige ein nützliches Hilfsmittel sein kann.


Verlag: Kohlhammer | Preis: 32,00 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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