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Leyendecker, Christoph/ Lammers, Alexandra: "Lass mich einen Schritt alleine tun" - Lebensbeistand und Sterbebegleitung lebensbedrohlich erkrankter Kinder. Stuttgart 2001

"Lass mich einen Schritt alleine tun"Tod und Sterben sind sicherlich Themen, welche in unserer modernen Gesellschaft besonders häufig verdrängt werden. Diese Erkenntnis formulieren auch die beiden Autoren des vorliegenden Buches auf Basis ihrer Auswertung der neueren Literatur zum Thema. Die Verdrängung des Todes wird insbesondere dann wirksam, wenn es um den Tod und das Sterben von Kindern und Jugendlichen geht. Die Hilfslosigkeit im Umgang mit dem Tod als unausweichlicher Bestandteil des Lebens erscheint hier als besonders ausgeprägt.
Bei Sonderpädagogen - insbesondere denjenigen, welche im Bereich der Körperbehindertenpädagogik tätig sind - gehören Tod und Sterben von Kindern und Jugendlichen zur Berufswirklichkeit. Gerade an Schulen für Körperbehinderte finden sich Kinder und Jugendliche, welche von progredienten Behinderungen oder Erkrankungen betroffen sind, die ihre Lebenserwartung erheblich verkürzen. Als Beispiele seien die Muskeldystrophie vom Typ Duchenne oder die cystische Fibrose (Mukoviszidose) genannt. Pädagogen können also schnell vor der Aufgabe stehen, progredient erkrankte Kindern, die sich mit der Tatsache ihres eigenen nahen Todes auseinander setzen müssen, als Begleiter zur Seite zu stehen, Gespräche mit Eltern/ Angehörigen zu führen oder auch das Thema Tod/ Tod eines Mitschülers mit den anderen Kindern der Klasse aufzuarbeiten.
Das vorliegende Buch versteht sich dabei als eine Art Ratgeber, aus dem Impulse und Anregungen für diese Aufgabe gezogen werden können. Als Grundlage dienen dabei eine Auswertung der einschlägigen Literatur und eine Reihe von Interviews mit Pädagogen.
Rezeptartige Handlungsanleitungen werden vermieden, eine schematische Herangehensweise kann diesem Thema nicht gerecht werden. Grundlegende und allgemeine Informationen, z.B. zur Entwicklung der Todesvorstellung bei Kindern und Jugendlichen, werden dennoch geliefert. Auch auf eindeutige Statements verzichten die Autoren nicht, z.B. bei der Forderung, auf die Fragen von Kindern zum Thema Tod mit größtmöglicher Offenheit und Ehrlichkeit zu antworten und nicht aus dem Bedürfnis heraus, den Kindern die Angst zu nehmen, um das Thema herum zu reden bzw. dieses zu verharmlosen. Was dazu auch positiv auffällt, ist die im Vergleich zu anderer Literatur zum Thema sehr bodenständige Herangehensweise, die ohne den sonst weitverbreiteten Pathos auskommt. Auch sprechen sich die Autoren dagegen aus, dem hier thematisierten Aufgabenfeld pädagogischen Handelns einen eigenen wissenschaftlichen Stempel ("prä-,/peri,/ postthanatale Pädagogik") aufzudrücken, ist doch die Frage zu stellen, was damit gewonnen sein, "wenn für mitmenschlichen Beistand ein scheinbar schwergewichtiges altgriechisches Vokabular benutzt wird. Damit wird Wissenschaftlichkeit nur dem Anschein nach hergestellt" (S. 74). Hier bleiben die Autoren also in wohltuender Weise auf dem Teppich, was auch der Lesbarkeit des Buches sehr dienlich ist. Zudem wird anhand von Auszügen aus den geführten Interviews mit Lehrern immer wieder ein enger Bezug zur beruflichen Praxis hergestellt.

Letztendlich bietet die Lektüre eine Fülle von Anregungen für das eigene Handeln und grundlegende Informationen, welche diesem zugrunde liegen sollten. Auf die Reflexion der persönlichen Haltung zum Thema Tod und Sterben kann natürlich auch nach der Lektüre des Buches nicht verzichtet werden. Sie ist und bleibt die grundlegende Basis, diese Festellung zieht sich dementsprechend auch als roter Faden durch das gesamte Buch.


Verlag: Kohlhammer | Preis: 19,40 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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"Lass mich einen Schritt alleine tun"

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