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Bioethik

Bonfranchi, Riccardo: Zwischen allen Stühlen. Die Kontroverse zu Ethik und Behinderung. Erlangen 1997

Zwischen allen StühlenZwar liegt die erste Veröffentlichung dieses Buches schon vier Jahre zurück, dennoch halte ich es für eines der besten Werke, die seitens der Sonderpädagogik zur Bioethikdebatte herausgegeben wurden. Das liegt möglicherweise daran, dass außer dem Herausgeber selbst kein einziger Sonderpädagoge das Wort ergreift. Nicht dass Bonfranchi sie nicht gefragt hätte. Das hat er schon, aber - wie man seinem Vorwort entnehmen kann - die angefragten potentiellen Beitragsautoren haben sich geweigert, "ihren Standpunkt im Rahmen dieses Buches zu vertreten" (12). Und so findet sich neben den Aufsätzen von Norbert Hoerster, Helmut F. Kaplan, Anton Leist, Reinhard Merkel und Jean-Claude Wolf nur ein einziger Beitrag aus sonderpädagischer Perspektive, nämlich der vom Herausgeber selbst. Anliegen Bonfranchis ist es, den Dialog zwischen Vertretern unterschiedlicher und kontroverser Standpunkte anzukurbeln, denn er hat erkannt, dass das Verhalten der Heilpädagogik gegenüber Personen wie Peter Singer, Christoph Anstötz oder Norbert Hoerster kontraproduktiv und v.a. in dieser Form nicht zu rechtfertigen war und dass Denkverbote und Tabuisierung nicht dazu führen werden, dass bestimmte Probleme sich einfach in Luft auflösen, Diese direkte Form der Selbstkritik ist bis heute in der akademischen Sonderpädagogik praktisch einzigartig. Wenn ich das Buch nun mit vier Sternen bewerte, dann nicht etwa, weil mit die Beiträge aus der Seele sprächen. Es ist das Anliegen des Buches, welches mir so gut gefällt. Und die Kritik, welche der Herausgeber am Verhalten der Heilpädagogik übt, sollte sich so mancher altehrwürdiger Prof. Dr. phil. Gutmensch innerhalb unserer Disziplin endlich mal zu Herzen nehmen!


Verlag: Fischer | Preis: 21,00 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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Zwischen allen Stühlen

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