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Heilpädagogik

Nußbeck, Susanne: Gestützte Kommunikation. Ein Ausdrucksmittel für Menschen mit geistiger Behinderung? Göttingen 2000

Gestützte KommunikationDieses Buch stellt sicherlich sehr schwer verdauliche Kost für alle Verfechter der Gestützten Kommunikation dar, insbesondere für diejenigen, welche selbst als Stützer tätig sind. Die im Titel aufgeworfene Frage wird von der Autorin am Ende des Buches eindeutig verneint: "Angesichts dieser doch recht eindeutigen Ergebnisse muß man sich fragen, warum an Gestützter Kommunikation so vehement festgehalten wird?" (190). NUßBECK hegt den Verdacht, dass hier Verdrängungmechanismen wirksam werden, um sich nicht die sehr begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten des eigenen Kindes (mit geistiger Behinderung) eingestehen zu müssen.

Ein eindeutiges Ergebnis also, welches den Leser allerdings kaum überraschend wird, denn durch das gesamte Buch zieht sich ein Unterton, welcher die Methode der Gestützten Kommunikation stark in Zweifel zieht. Dabei stellt das Buch nicht die Ergebnisse einer eigenen Untersuchung vor. Vielmehr werden die bislang gemachten Studien zur Validität der Gestützten Kommunkation kompakt aufgeführt, dargestellt und hinsichtlich der Ausgangsfrage ausgewertet. Die Studien, welche zu positiven Ergebnissen für die Gestützte Kommunikation führten, kommen dabei nicht sonderlich gut weg ... Kritisch ist dabei, dass sich von Anfang an der Verdacht aufdrängt, dass die Autorin nicht unvoreingenommen an die Sache herangegangen ist. Es scheint vielmehr so zu sein, dass das Ergebnis von Beginn an schon feststand und die Autorin mit der entsprechenden Haltung an die Auswertung der diversen Studien ging. Ihre wissenschaftliche Perspektive ist die der Psychologie, deren Aussagen über die Fähigkeiten von autischen Menschen und Menschen mit diagnostizierter geistiger Behinderung recht wenig bis keinen Spielraum mehr lassen für die Aussagen, welche diese Menschen z.T. mittels Gestützter Kommunikation machen. Somit rücken die Stützer selbst und der Aspekt der Manipulation in die Aufmerksamkeit des Buches.

Für alle Befürworter der Gestützten Kommunikation stellt dieses Buch eigentlich eine Pflichtlektüre dar, denn eine Auseinandersetzung mit der Kritik an der Methode ist m.E. Voraussetzung für einen seriösen Umgang mit ihr. Das Buch wirft etliche unangenehme Fragen auf, mit denen sich auseinander zu setzen sehr lohnenswert sein dürfte.


Verlag: Hofgrefe | Preis: 32,95 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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Gestützte Kommunikation

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