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Ethik

Singer, Peter: Praktische Ethik. 2. Auflage Stuttgart 1994

Praktische EthikIn der "Zeitschrift für Heilpädagogik" (Heft 10/2002, 398 - 403) macht sich Urs HAEBERLIN Gedanken darüber, welche Konsequenzen sich aus bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen für das Studium der Sonderpädagogik ergäben. HAEBERLIN spricht darin u.a. Herausforderungen an, welche aus der präferenzutilitaristischen Ethik heraus entstünden, als deren Repräsentanten er den australischen Philosophen Peter SINGER und dessen Buch "Praktische Ethik" (deutsche Erstausgabe 1984) sieht. Mit Verweis auf die heftige Kontroverse, welche bestimmte Teile aus SINGERs Buch auslösten, stellt HAEBERLIN die Frage: "Welche Antwort geben wir den heutigen Studierenden der Sonderpädagogik auf die Frage, ob und wie der präferenzutilitaristische Dammbruch noch verhindert werden kann?" (401).
Nun, vielleicht sollte man ihnen einfach empfehlen, "Praktische Ethik" zu lesen, und zwar von A bis Z, in Ruhe und mit der Sorgfalt, welche Grundvoraussetzung wissenschaftlichen Arbeitens ist.
Die hitzige Debatte, welche "Praktische Ethik" in der Heilpädagogik ausgelöst hat, und die bis heute geführt wird, ist meines Erachtens eher unglücklich verlaufen. V.a. aber beruhen zahlreiche Argumente, welche von teils sehr namhaften Heilpädagogen gegen SINGERs Thesen ins Feld geführt wurden, auf einer nur sehr oberflächlichen Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Buch.
SINGER geht es darin um eine ethische Diskussion menschlichen Handelns. Er spannt dabei einen Bogen über eine breite Palette von Themen (z.B. menschlicher Umgang mit Tieren, Verhältnis reiche Länder - arme Länder). Großen Raum gibt er auch seinem Nachdenken über Themen wie Pränatale Diagnostik, Abtreibung, Euthanasie, Lebensrecht. Diese Abschnitte wurden und werden gerne heran gezogen, um SINGER in die Schublade mit der Aufschrift "Neue Behindertenfeindlichkeit" bzw. "Euthanasie-Propagandist" zu stecken. Gerechtfertigt sind diese Vorwürfe nicht. Wer sich die Mühe macht, "Praktische Ethik" genau zu lesen, wird sicherlich mit provozierenden Aussagen konfrontiert. Er wird angesichts einer sehr konsequenten Argumentation gezwungen, die eigene Haltung zu bestimmten, sehr unbequemen Fragen zu reflektieren. Daher kann der sorgfältige Leser des Buches auch sehr viel über Ethik lernen, denn die grauen Zellen werden ordentlich gefordert. Zustimmen muss der Leser den Aussagen des Buches deswegen noch lange nicht, denn SINGER argumentiert nicht aus einer Position heraus, welche die Existenz allein gültiger Wahrheiten behauptet.
Wer sich also mit ethischen Fragestellungen beschäftigen möchte, die auch die Heilpädagogik betreffen, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.


Verlag: Reclam | Preis: 9,60 EUR | Rezensent: Tim Bendokat
Bewertung :

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