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Philosophie

Ebers, Thomas/ Melchers, Markus: Vom Wert der Wertedebatte. Anmerkungen und Orientierung. Freiburg 2002

Vom Wert der WertedebatteFrüher war alles besser. Das weiß jeder. Nun ist es demnach auch notwendig, dies in Worte zu fassen. So sehr ein jeder sich dies auch wünscht – es scheint, dass früher gar nicht alles besser war.
Im Vorwort machen die Autoren deutlich, dass die Diskussion um Werte zwar keine moderne allein ist, dass jedoch der Begriff des "Werteverlustes" geradezu inflationär benutzt wird. "Kein Tag vergeht, an dem nicht über den Werteverfall in der Bundesrepublik berichtet wird." (7)
Diesen Aussagen und dem großen Feld der "Werte" wollen die Autoren in ihrem Buch nachgehen.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Erster Teil stellt die aktuelle Wertediskussion dar und reflektiert diese. Der zweite Teil erörtert die ethischen Grundlagen von "Werten", geht also eher in die philosophische Tiefe. Dritter Teil ist praktisch orientiert und befasst sich u.a. auch mit Überlegungen zur pädagogischen Arbeit.
Positiv ist, dass die Autoren zunächst einmal mit dem kulturpessimistischen Verlustdenken aufräumen und die Hintergründe für gegenwärtige Klagen – ob berechtigt oder nicht – in einen sozial-historischen Kontext stellen. Dadurch wird einer Menge Vorurteilen von vorn herein die Grundlage entzogen.
Der zweite Teil ist auch insofern nützlich, dass er gängige philosophische Erklärungsansätze von Ethik und Moral verständlich darstellt. Dabei beschränkt sich die Auswahlauf auf fünf der einflussreichsten Denkströmungen bzw. Personen:

Aristoteles
Kommunitarismus
Utilitarismus
Kant
Diskursethik

Man kann natürlich streiten, ob so wenig beachtete Strömungen wie die Diskursethik in einem modernen Buch Platz finden sollte, aber letztlich lässt sich auch damit arbeiten.
Der abschließende Teil bezieht die bisherigen Überlegungen auf die menschliche Praxis. Dies ist besonders zu betonen, da gerade im philosophischen Bereich, aber leider auch viel zu oft im pädagogischen, die tatsächlichen Auswirkungen auf menschliches Handeln und Tun außer Acht gelassen werden.
Die Autoren setzen sich mit dem Status der Erwachsenen innerhalb der Gesellschaft auseinander, zeichnen die Grenzen zwischen Autorität und Gleichgültigkeit auf und bringen Beispiele für Anerkennung in pädagogischen Konzepten (lustig: Montessori-Pädagogik und Freiarbeit etwa).

Die Sprache ist gut, lesbar und nicht abgehoben, die Inhalte werden klar und verständlich übermittelt. Dieses Buch bringt den Lesern philosophische Gedanken und Theorien auf angenehme Art näher. Es lässt sich daher nur empfehlen.


Verlag: Herder | Preis: 9,90 EUR | Rezensent: Sebastian Barsch
Bewertung :

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