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Rezensionen

Szenisches Spiel

Scheller, Ingo: Szensches Spiel. Handbuch für die pädagogische Praxis. Berlin 1998

Szenisches SpielDieses Handbuch versteht sich nicht als eine "Auseinandersetzung mit schauspiel-, spiel- und theaterpädagogischen Theorien und Ansätzen." (9)
Der Anspruch, den SCHELLER an sich stellt, ist der einer umfassenden Darstellung, aus der heraus deutlich wird, in wie weit szenisches Spiel als Antwort auf Probleme und Widersprüche taugt, die sich aus verschiedenen Bereichen der pädagogischen Praxis ergeben. Wird er diesem Anspruch gerecht?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass sich das Handbuch nicht an eine bestimmte Lesergruppe richtet. Der Autor verzichtet bewusst auf eine Kategorisierung, betont dabei, dass sich die hier dargestellten Formen des szenischen Spiels sowohl in den verschiedenen Schulformen wie auch im außerschulischen Bereich, etwa der Erwachsenenbildung, durchführen lassen.
SCHELLER setzt "szenisches Spiel" immer in Beziehung zu "Lernen". Der Aspekt des Spiels als gestaltete Freizeit oder einfach nur Spaß fällt somit weg. Im ersten Kapitel werden die theoretischen Hintergründe szenischer Lernprozesse in angenehmer Sprache beschrieben. Darauf werden die verschiedenen Verfahren dieser Methode erläutert, um im anschließenden Kapitel durch zahlreiche thematisch geordnete Spielelemente ergänzt zu werden. Später wird erklärt, wie sich verschiedene Vorlagen und Konfliktstoffe szenisch umsetzen lassen. Interessant in diesem Zusammenhang ist der Abschnitt über die Umsetzungsmöglichkeiten theoretischer Texte. Ein kleiner Auszug der Arbeitsanweisung: "Lest den Text. Zeigt in Statuen, worum es der Verfasserin eurer Meinung nach geht." (164)
Vielleicht wird hier eine Kleinigkeit deutlich, die sich mir negativ gefärbt zeigt: alles wird in einen "pädagogischen" Rahmen gestellt. Das ist prinzipiell nicht verwerflich, jedoch habe ich oft das Gefühl, dass die Möglichkeiten des szenschen Spiels von SCHELLER stets in ein therapeutisches Umfeld setzt. Einfach mal Spaß gilt nicht. Andererseits: man ist es von Büchern, die von Hochschuldozenten (SCHELLER ist ein solcher) geschrieben wurden, ja nicht anders gewohnt. Der durchschnittliche Leser wird sich hoffentlich Filterkompetenzen zugelegt haben, die den "wissenschaftlichen" Teil einer Schrift ausblenden und nur den nutzbaren Teil übrig lassen. Dies sollte hier auch gelingen, denn es lohnt sich.

In "Szenisches Spiel" finden sich zahlreiche (wirklich viele) Übungen und Überlegungen. Oft nicht direkt umsetzbar in Schulen, ganz besonders oft nicht in Sonderschulen, aber stets mit der Offenheit, die gefundenen Anregungen für die eigene Praxistätigkeit umzusetzen. Ein solides Handbuch.


Verlag: Cornelsen | Preis: 18,50 EUR | Rezensent: Sebastian Barsch
Bewertung :

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Szenisches Spiel

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